Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Leonberg

Erfahrungsberichte


Mein erstes Mal,

Bei mir hat es sehr lange gedauert und es war nur durch Druck von außen möglich mich dazu zu "überreden" in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Ich möchte hier die Gedanken niederschreiben die ich mir gemacht habe, bevor ich das erste Mal in die Gruppe gegangen bin:

"Was soll ich denn da? Ich hab doch kein Alkoholproblem. Es sind doch die anderen die meinen ich hätte da ein Problem. Jetzt soll ich auch noch in so eine komische Selbsthilfegruppe gehen. Was es da wohl für Typen gibt? Vielleicht lauter so Leute denen man schon von weitem ansieht, dass sie saufen oder gesoffen haben. So Trollingernasen. Oder vielleicht auch solche die gar nicht verstehen können warum ich ab und zu mal was trinken will, damit ich vom Alltagsstress runterkomme. Bestimmt lauter so verkniffene Menschen, die einen auf Psychologie machen und mich zuquatschen wollen, damit ich auch so werde wie sie. Jetzt geh ich halt mal dahin, weil sonst meine Frau Theater macht. Mein Chef hat auch schon davon gesprochen, dass ich was tun muss, weil er mich sonst evtl. entlassen wird."

Der erste Abend:
Die Leute hier sehen eigentlich ganz normal aus. Sie reden über ihr Suchtproblem, der ein oder andere ist schon länger trocken, ein paar auch erst kürzer, manche sind gerade von der Therapie zurück. Und als sie dann erzählen wie es bei Ihnen war, wie es angefangen hat mit dem Trinken und immer mehr wurde, sie dann gedacht haben, es merkt ja eh keiner und was sie sich für Gedanken gemacht haben und festgestellt haben: da stimmt was nicht mit mir, habe ich mich in den Erzählungen des ein oder anderen auch plötzlich wiedergesehen……..

Mittlerweile bin ich seit einigen Jahren trocken und selbst einer derjenigen, die die anderen "vollquatschen" um meine Erfahrungen weiterzugeben und auch immer wieder für mich neue Erfahrungen zu sammeln. Mit jedem "Neuen" der in die Gruppe kommt, bekomme ich wieder den Spiegel vorgehalten und habe für mich selbst beschlossen mein Leben als alkoholkranker Mensch ohne das Suchtmittel weiterzuführen. Mittlerweile bestimme ich mein Leben wieder selbst und nicht mehr der Alkohol.
Ich möchte an dieser Stelle auch nicht verhehlen, dass der Weg nicht immer einfach, manchmal sogar ziemlich steinig, war. Aber es hat sich gelohnt.
Paul.H (45) aus Leonberg



Erfahrungen einer Angehörigen,

Vor ungefähr 7 Jahren saß ich, völlig verzweifelt in einem Gespräch bei einer Beratungsstelle, wie sie von der Diakonie angeboten wird. Wie ich den Mund aufmachte, um meine Probleme zu schildern, habe ich eine halbe Stunde erstmal nur geheult. Mir wurde zum ersten Mal klar, wie alleine ich mich gefühlt habe. Der Grund meiner Verzweiflung war mein Ehemann und seine Alkoholsucht. Damals wusste ich nicht, dass ich das Problem beim Namen nennen durfte. Bis dahin war ich nur beschäftigt, das Ganze zu umschreiben, mit ordentlichen Ausreden für sein Verhalten, um meine Umwelt zu überzeugen, dass wir`s noch "im Griff" hatten.

Die sehr nette Beraterin hat mich zu der Angehörigengruppe der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe in Leonberg geschickt. Es war eine riesige Erleichterung, hier zu begreifen, nicht als Einzige so da zu stehen, mit all der Verantwortung und dem Stress, den ich mir aufgehalst hatte. Im vertrauensvollen Kreise wird jeder so aufgenommen, wo er/sie steht - es wird unterstützt, zugehört, begleitet und geholfen. Ich lernte wieder, auf mich acht zu geben, Grenzen zu zeigen und wie ich auf schwierige Situationen anders reagieren konnte, ohne in Konflikt zu geraten mit meinem streitlustigen Partner. Für meine 2 Kinder wollte ich auch wieder Positives tun. Die Jungs haben sehr unter diesem Familiengeheimnis gelitten und es war für uns alle ganz wichtig, eine offenere Einstellung zum Thema zu bekommen.

Ich genieße heute noch die Gruppengespräche im Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe.
Ich habe einen Kurs absolviert zur Suchtkrankenhelferin und ich bringe mich aktiv mit ein, für eine sehr lohnende Aufgabe.

Die Vorstellung, Anderen Mut zu machen, ihnen in ihren schwierigen Lagen eine Stütze zu sein, meine Erfahrungen weiterzugeben, ist für mich die Motivation weiter zu machen.

Gute Freunde habe ich auch gewonnen; - Betroffene und Angehörige.